Kommunikationsresistent

Trekking ist echt das Richtige für Menschen mit sozialer Inkompetenz. Tagelang läufst du allein durch die Budnik, vor dir keiner mehr in Sicht, hinter dir brauchste gar nicht erst gucken. Links von dir seit Stunden die selbe Felswand. Da brauchste keine Freunde. Haste auch nicht. Alle 15 Kilometer triffst du die Leute mit denen du zeitgleich losgegangen bist mal wieder. Entspannt sitzen sie am Wegesrand, während du versuchst deine Schnappatmungen unter Kontrolle zu bringen. Zu sagen haste nix.

Man ist ja scheinbar auch nicht zum quatschen hier. Richtig. Mit wem auch?! Man soll die Ruhe genießen. Den ganzen Tag? Über sein Leben nachdenken. Hab ich heute Morgen bereits beim Schuhebinden erledigt. Läuft super, bin zufrieden.

Was bleibt also. Erfreu ich mich an meinem Blick auf den Profitrekker, der den 4000er der Cordillera de los frailes mit seinem Jutebeutel besteigt. Man hat ja vor Abreise eine Kameratasche dem Wanderrucksack vorgezogen und da ist nu ganz und gar unerwartet nur Platz für die Kamera drin. Dass ein Objektiv für den Ersatzschlüpper weicht, steht natürlich außer Frage.

Wir waren auf den Spuren von Dinosauriern. Wer braucht da schon einen Ersatzschlüpper. Die footprints von T-rex und Kollegas seien auf unserem Trek angeblich zu sehen. Juan und sein paläontologisches Auge bestätigten dies. Wenn ihr mich fragt, hat der Bauer seinen Hausstorch mal kurz durch den frischen Beton gejagt. ditte war’s.

Hach ja, was wäre ein Blogupdate ohne eine kurze Trekking Story. Weiß nicht wie es euch geht, aber man könnte fast das Gefühl kriegen, wir machen nix anderes mehr. Aber weit gefehlt.

Es gibt auch Tage, die wir ausschließlich damit verbringen ein Busticket zu kaufen oder eine Unterkunft zu buchen. Das kann komplizierter sein als es sich auf den ersten Blick vermuten lässt.

Das ganze spielt sich dann ungefähr so, und immer nach dem gleichen Schema, ab. Juan sagt nach vergeblichen Onlinerecherchen: Icke ruf da jetzt mal an und frag. Er ist nicht zu stoppen. Verschwindet in der Telefonbox. Er nimmt den Hörer, wählt die Nummer, mindestens dreimal bevor die Ziffern in der richtigen Reihenfolge sind. Es klingelt. Jemand geht ran. Mit selbstbewusster Stimme sagt Juan: Buenas tardes. Dann Pause. Eeehhee. Es posible dä äh….Hablas ingles? No. No. Ok. Hasta luego. Er legt auf. Zieht ne Schüppe. Dann kommt er zu mir.“Sandsi, ich hab die nicht verstanden. Ruf du mal an.“

Telefongespräche wären erst in der nächsten Lektion meines VHS Kurses gekommen. Ich hab keine Wahl. Ich skype, während Juan mit google translate mir Satzvorschläge liefert. Es läuft quasi reibungslos. Quasi.

Mit kleinen Rückschlägen muss man ja immer rechnen. Es waren jedoch so viele, das würde hier den Rahmen sprengen. Ende von Lied & Tag: Wir haben auf ein freies Zimmer gehofft und nahmen ein Taxi.

Klappt doch alles wunderbar. Ich liege inzwischen im Bett der Hacienda in den Bergen von Potosi. Juan sitzt fluchend vorm Kamin. Erst mit seinem Feuerpunkt prahlen, den er von seinem Pfadfinderkönig verliehen bekommen hat, und nu rauchts nicht mal. Ich geh mal knattern. Glaub Feuerpunkte kann ich heute nicht mehr vergeben…

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