Futterneid

Die Sonne scheint in der Wüste San Pedros. Wir hatten Cookies und Chips gekauft. Sogar geduscht und danach die Klamotten gewechselt. Die Anleitung von Sylvis Sexy Stretching auf Reisen im Handgepäck. Wir waren bereit für unsere Reise nach Puerto Montt.

Die Tüte Chips war ca 15 Minuten nach Abfahrt inhaliert. Es blieben die Kekse, und 38 Stunden Busfahrt.

Ich schlaf ja meistens schon bevor wir überhaupt losgefahren sind. Dieses Knattern macht mich einfach müde. Ich denke es kommt daher, dass mein Vater früher den Maxi Cosi an seinen Rasenmäher drangehängt hat. Dass das mal verhängnisvoll werden kann, hätte damals keiner gedacht.

Als ich am nächsten Tag aufgewacht bin, waren wir immer noch in der Wüste. Es kommt unglaublicher. Ich hatte ich einen MorzHunger. Das letzte was ich gegessen habe, war ein altes Lamasteak zur Kaffeezeit. Das Lama muss alt gewesen sein, und das Steak auch. Dinner an Bord gab es nicht. Wurde zumindest behauptet. Ich dachte schon ich hätte es verschlafen. Aber wenigstens haben wir ja ein paar Kekse zum Frühstück. Ich hatte mein Hungergefühl noch nicht vollständig ausgesprochen. Da sagte mir ein Blick in das von Schuld gezeichnete Gesicht neben mir alles. Worte waren überflüssig. Die Kekse waren alle. Ich wollte ja schließlich gestern keinen.

Es blieben also keine Kekse, und noch 24 Stunden Busfahrt.

Das Schöne an der Fahrt ist, dass wir ausnahmsweise mal so nah am Bildschirm sitzen, dass wir die spanischen Untertitel erkennen können. Nicht, dass das was zum Verständnis beitragen würde, aber man fühlt sich gleich nicht mehr ganz so alt. Die Konfrontation mit dem Alter ist hier gnadenlos. Mit dem Jungvolk kann man nicht mehr mitreden. Es geht um Uni, Party und Sex. Wir können zu Wanderungen und Tagesausflügen was sagen. Ins Hochbett des 12er Zimmers kommt man nur noch mäßig grazil rein und ohne jegliche Würde wieder raus. Unser Tag startet, wenn alle anderen nach Hause kommen. Und Juannis Gesicht blättert ab. Das könnte wiederum das Alter oder der Sonnenbrand sein.

Oder aber das Schuldgefühl, das so langsam von ihm abfällt. Wobei das dann mehr als eine Hautschicht sein sollte. Der Hahn zu seinem Immodium Supply ist erstmal abgedreht. Und bei der nächsten Busfahrt geb ich ihm was zum halten. Keine Arme, keine Kekse. So einfach ist das.

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