Naturburschikos

Grad wurden wir so richtig local. Wir kannten jede Strasse. Jede Gasse. Waren blacklisted für die Ehrenurkunde des regionalen Trekkingclubs. Beherrschten die Zahlen von 1 – 10 aus dem ff. Und nu sind wir in Chile. Ich schwöre, die sprechen hier kein Spanisch.

Was sich nicht geändert hat, ist Juans Enthusiasmus für die kleinen Dinge im Leben. Das könnte ein Stein oder ein Baum sein. Oder der Fallwind. Juan geht um die Ecke. Ist eigentlich egal welche. Juan bleibt stehen. Der Mund geht auf. Er haucht ein „Ooh. Woooow.“ Ich komm um die Ecke. Krach erstmal in vollem Tempo in ihn rein. Suche nach dem Grund warum er stehenblieb. Sehe nix weiter als eine deutsch genormte Eberesche. 360* Drehung mit hektischen Versuchen zu sehen was er sieht. Weiterhin nur die Eberesche im Blick. Ich muss mich erstmal von dem Aufprall erholen. Es dauert nicht lange und seine Definitionsphase des Erlebten beginnt. „Ooh. Wooow. Ein Baum“. Oh ha. Er meint tatsächlich die Eberesche. „ich muss schon sagen, das ist ein schöner Baum. Wirklich ein schöner Baum.“ Was soll ich nu dazu sagen?! Ja, ist echt total schön. Retard.

Wen wunderts da, dass seine Speicherkapazität überschritten ist, wenn dann um die nächste Ecke der Vulkan, Gletschersee und Wasserfall wartet. Sogar Delfine. Und wir ständig ein Transportmittel verpassen, weil wir zu spät dran sind. Kann aber auch keiner ahnen, dass die auf einmal wieder pünktlich fahren.

Nach unserer Detour über Chiloé roadtrippen wir mit unserem Mazda Spocht durch den Lake District. Scheint das Mallorca aller Chilenen zu sein, die in Hotels übernachten und auswärts essen gehen. Öh-hö. Poshes Volk. Wir sind gefühlt die einzigen europäischen Touristen. Und auch die einzigen, die im Auto übernachten müssen. Die Unterkunft war definitiv im Mietpreis inbegriffen. Außerdem hatte die Phase des Duschens und Klamottenwechsels mit zwei aufeinanderfolgenden Tagen auch echt ihr Limit erreicht.

Juan erwähnte, dass das Tshirt was er anhat das letzte saubere wäre. Seit 5 Tagen die selbe Leier. Ich glaub er meint es Ernst. Es scheint Zeit für einen Wäschestopp zu sein.

Wir fanden das Häuschen von Muddi und Vaddi Gonzalez, in einem Dorf, dessen Name mir nicht über die Lippen geht. Ein Dorf das so groß war, dass eine der beiden Straßen eine Einbahnstraße war. Ich hab meine Zahnbürste erstmal zu den anderen 18 gehängt. Wenn ich mir die anderen so angucke, war es noch gar nicht Zeit für ne Neue.

Der Dorfzosse Pedro und das russische Einwandererpferd Olga haben uns die Gegend gezeigt. Mit Pedro und Juan haben sich zwei gefunden. Manche sagen, zwei ganz gemütliche Kerle. Andere sehen eine gewisse Antriebsschwäche. Als die beiden aber ihren Gang fanden, waren sie unstoppbar. Ich habe daraufhin die Familienplanung innerlich abgeschlossen.

Während ich Chilenisch lerne und ausgiebige Konversationen mit dem Gastvater über Politik und die Weltwirtschaftskrise führe, flitzt Juan mit seinem Pritstift durch die Gegend und hält vom Kieselstein vor der Haustür bis zum Kaufbeleg der letzten Capri Sonne alles in seinem Tagebuch fest.

Jeder braucht ja bekanntlich ein Hobby. Und hauptsache ist doch, die Schlüpper sind wieder frisch. Auch wenn das hier völlig überbewertet ist. Klingt erstmal komisch, ist aber so.

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