Pain Grande

Seit Wochen laufen die Vorbereitungen. Das Antragsformular für eine Mitgliedschaft im DTV (Deutscher Trekking Verband) ist bereits runtergeladen. Mein Training am Warmbadetag kurz vor Abreise sollte mir die nötige Fitness gegeben haben. Und nach zahlreichen schlaflosen Nächten war ich dann auch mental fast soweit mein Schicksal zu akzeptieren. 7 Tage Trekking im Torres del Pain(e).

Im Supermarkt überkamen mich ernsthafte Ängste, dass ich auf dem Weg verhungern könnte. Später hatte ich Sorge, dass Juanni unter der Last der Tomatensoße zusammenbricht.

Bei Juans Prep-Talk eröffnete er mir, dass wir nur 5 Tage gehen. Ich glaube er hat nen Luftsprung erwartet. Ich bin überzeugt es war ein von langer Hand geplanter und gescheiterter Versuch mir Begeisterung zu entlocken. Das merkte er schnell und versprach mir eine Überraschung an Tag 2. Ein Pony?

Kein Pony. Besser. Nen Liter Wein im Tetrapack. Juanni ermöglicht uns hier schon ein ziemlich dekadentes Leben. Da ist’s auch gut, dass man in diesen Regionen mit Pauschalreisetouristen in Berührung kommt. Bei denen gibbet nämlich auch mal ein Ei zum Frühstück. Juan näherte sich einem noch kauenden Touristen. „Sie sind ja fertig ne? Dürfte ich ihr Rührei haben?“ So macht er es mit mir auch immer. Und ehe du gucken kannst, sind ein halbes Kilo Spaghetti und ein Dutzend Wiener Würstchen inhaliert.

Aber ich war froh um jedes Gramm was aus meinem Rucksack verschwand. Von mir aus können wir auch alle Cookies jetzt essen. Um das Gewicht weiter zu reduzieren, wurden selbst Schlüpper und Deo zurückgelassen. Ich brauch eh mal Neue. Wenn du allerdings anfängst dich selbst zu riechen, wird’s unangenehm. Auch unsere Wandersocken verloren ihre Atmungsaktivität. Ich ebenso, als Juan im Zelt seine Schuhe auszog. Ein Paar Socken zum Wechseln wichen für die Tütensuppe. Man muss Prioritäten setzen. Und es waren ja nur 5 Tage.

Ich weiß nicht welche Konsequenzen diese Aussage mit sich ziehen wird. Aber ich muss sagen, das war der beste Trek, den ich jemals gemacht habe. Und es waren immerhin schon vier.

Wir wollten den Sonnenaufgang sehen, natürlich von dem besten und hôchsten Viewpoint ever. Gefühlte 1200 Höhenmeter von unserem Zelt entfernt. Ich stellte widerwillig den Wecker. Wir gingen los. Juan ging vor. Trekker, die sich bereits auf dem Rückweg befanden, können recht hart mit der Wahrheit sein. Die Sonne sei schon aufgegangen. Ach. Als ich endlich oben ankam stand die Sonne quasi im Zenit. Und Juan sagte trocken:“So, wollen wir dann?“. Ja sichi, bin ja schon seit 1,5 Minuten hier. Höchste Zeit wieder zu gehen.

Neu gewonnene Trekking Buddies nannten mich „Speedy“. Ich bin ein Flachlandtrekker. Mit meinem Stechschritt zwischen 8 und 8.30 Uhr und auf graden Strecken konnte Juanni kaum mithalten. Er scheint immer pünktlich zur Schule, Arbeit und Verabredungen losgegangen zu sein. Ich war hingegen geübt.

Mit 8 Portionen Kartoffelbrei und 1379 Fotos sind wir zurück. Meine Füße spür ich nicht mehr. Alles unterhalb der Halsregion ist bewegungsunfähig. Trotz meiner Leidenschaft für Trekking und außerordentlich guten körperlichen Fitness denke ich, eine passive DTV Mitgliedschaft ist vielleicht doch erstmal das beste für mich.

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