Off the beaten track

There is nothing to see – and that’s the point. So unser Guidebook. Die dreistündige Fähre fährt einmal täglich. Außer morgen. Da fährt sie gar nicht. Es gibt keine Busse. Eine asphaltierte Strasse gibbet auch nicht. Es wird ausschließlich Spanisch gesprochen. Unterkunft ist limitiert und sollte im voraus gebucht werden. Alles sprach also dafür, spontan nach Porvenir zu reisen.

Nu sitzen wir hier. Am Straßenrand. Idyllisch neben der Fischfabrik. Inzwischen schon so lange, wir könnten dem Bürgermeister eine repräsentative Verkehrszählung zukommen lassen.

Dabei sind alle existierenden Porvenirianer mit dem Auto unterwegs. Man grüsst sich. Man kennt sich. Mit den meisten sind wir jetzt Freunde auf Facebook. Wir wurden stündlich flexibler mit unseren Destinationswünschen. Aber nicht ein einziger fuhr die letzten 8 Stunden aus dem Dorf raus. Nicht ein einziger.

Unser Versuch Freunde mit Auto am Abend in der Dorfkneipe zu finden scheiterte frühzeitig. Es gab keine Kneipe. Zwei neuseeländische Bohrer griffen uns auf. Ein Auto hatten sie nicht. Aber ausgiebiges Wissen der gängigen Preise für Prostituierte sowie ortsübliche Verhandlungspraktiken.

Aber, wir sind nicht obdachlos. Omma Gonzalez hat uns in ihrer warmen Stube aufgenommen und macht uns Frühstück.

Inzwischen hat die Polizei uns nach einer Sightseeing Detour auch beim Hafen abgeliefert. Ich sag ja. Man kennt sich. Wir haben uns über Geburtstag, Wohnort und Job unterhalten. Er hat zwei Kinder. Dass er Polizist war, war zu vermuten. Aber auf den Genuss eine Frage fehlerfrei in Spanisch zu stellen und die Antwort zu verstehen, wollte ich dann doch nicht verzichten.

Ditte wär unseren Pauschalfreunden nicht passiert. Ich war so optimistisch, dass wir nach Argentinien kommen, dass selbst unser Tourbüro bereits informiert wurde. Nicht dass Interpol erneut ausrückt, weil wir 32 Stunden kein Lebenszeichen von uns geben und die Kreditkarte plötzlich einen Stand von minus Null anzeigt. Logische Schlussfolgerung. Wir wurden entführt und geknebelt. Und sie haben uns das Konto leer geräumt.

Unser Tourbüro hatte umgehend die telefonische Notrufhotline der Bank alarmiert. MK schilderte ihre Sorgen. Kurz und bündig wie sie selbst sagt. Eigentlich wollte sie die Karte sperren, aber das war ja nicht nötig. War ja nix mehr drauf. Sie hatte jedoch Hoffnung etwas über den Verbleib ihrer Kinder und des Geldes zu erfahren.

Stattdessen bestätigte der verständnisvolle Mann am Telefon was wir schon lange geahnt hatten: Liebe Frau Hämmerli, ich befürchte Ihre Tochter hat das Geld auf den Kopp gehauen.

Joa, is richtig. Weiss auch nicht wie das passieren konnte. Da ist man schon so sparsam und kauft nur ein Paar Wandersocken für 5 Tage.

Die internationalen Suchtrupps konnten immerhin grade noch zurückgerufen werden. Und wir haben eine Spendenhotline eingerichtet. Cash & Credit Cards accepted.

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