Laudatio

Nach tausenden Kilometern, zwei Inseln, Fähren und Hubschraubern, unzähligen Zelt- und Parkplätzen und einer leeren Reisekasse sind wir wieder da wo wir herkamen. Unser Abenteuer neigt sich schon wieder dem Ende – dabei sind wir doch noch gar nicht fertig.

Es bleibt nur Danke zu sagen. An eine wunderschöne, anstrengende und sowas von unvergessliche Zeit. 

Danke an unseren Meister aller Dauercamper. Du bist der beste. Du bist zurecht im Besitz deiner Feuerpunkte und bereicherst jeden verregneten Tag. Auch bei Sonne bist du ein Erlebnis. Dank deines integrierten Kompasses und ausgeprägten Orientierungssinns haben wir die abgelegensten Gegenden gesehen.  Oder weil dein Drang immer den vom Eingang am weitesten entfernten Parkplatz zu wählen uns dort hingetrieben hat. Wir durften bei Temperaturen rund um 0 in der Natur sein. Wie richtige Pfadfinder. Danke für deine unendliche Begeisterungsfähigkeit. Für Bäume. Vögel. Und Steine. Deine Geduld. Und deine Diplomatie zur Bewahrung des Van-Friedens. Dein Wissen zum Paarungsverhalten von Tieren, von denen du bis dato nicht den Namen kanntest.  Auch für deine grazile Art, als du in den Nächten im Kleinwagen den Mücken unermüdlich gefolgt ist. Wir sind mit blauen Flecken davon gekommen. Und wenn der Sohn dein Englisch korrigiert hat. Du hast es immer mit Fassung getragen. Ich auch, wenn du kurzfristig vergessen hast, dass auch Väter einen Erziehungsauftrag haben. 

Danke an unsere Kinder. Ihr seid wunderbar. Für euch war kein Wetter zu schlecht und kein Berg zu hoch. Nur eure Eltern machten sich Sorgen bei dem Sturm und fanden das überschwemmte Zelt problematisch. Ihr hattet euren Wetsuit bereit. Keine Wanderung oder Autofahrt war zu lang, solange wir unzählige Geschichten erzählt haben. Nur eure Mutter war diejenige, die es nicht abwarten konnte, anzukommen. Meistens weil ihr nach 10 Minuten der Proviant ausging. Für euch war immer alles gut, solange Vatti mit euch geteilt hat. Und ihr nebeneinander einschlafen konntet. Wo und wie war dabei für euch völlig egal. Ging uns anders. Danke für eure Geduld mit Euren Eltern. Ich kann euch versichern, wir mussten mindestens doppelt so viel davon aufbringen. Danke, dass wir mit euch überall hingehen können ohne einen Eindruck zu hinterlassen. Dass du, Ida, dem 3 jährigem Lennox eine gescheppert hast, fanden wir völlig in Ordnung. So geht man nicht mit deinem Bruder um. 

Dieser Trip schafft es sicher nicht in die nächste Ausgabe der ‚Eltern‘. Dabei haben wir uns echt Mühe gegeben, dass uns nicht das Sorgerecht entzogen wird. 

Es war wohl die Reise mit den meisten Höhen und Tiefen. Die Tiefen waren fast ausschließlich dem Wetter geschuldet. Zweimal auch dem KitKat, das nicht fair geteilt wurde. Regen, Sturm und Kälte haben uns echt an unsere Grenzen gebracht. 

Es hätte zwar keiner gewagt auszusprechen. Aber es gab durchaus Momente, an denen man sich heimlich gefragt hat, wie ein Urlaub als Pauschalreiser ist. So mit Bett und Buffet. Mit warmer Dusche und fliegenfreier Toilette. In einem Land mit gemäßigtem Klima. Oder einfach mit Indooraktivitäten. Kinderbetreuung. Und Wassergymnastik für Herren am Vormittag. 

Aber so fies der Regen auch oft prasselte, und so kalt die Nacht und nass der Schlafsack auch mal wieder war. So laut die Tanten im Mehrbettzimmer schnarchten, so furchtbar war auch der Gestank der vollen Windeln in der Jackentasche am dritten Wandertag. Oder die Ernüchterung, wenn man nach einem mehrstündigen Trek ins Nirgendwo ohne Zelt da sitzt. Und ohne Hose. Man seine letzte Geduld aufbringen muss, um auch noch bei Kilometer 18 mit viel Freude Bus zu spielen. So hart war es auch über den Verlust der Ciderflasche hinweg zu kommen. Oder der Schuhe. Der Jacke. Und der Sonnenbrille. Der Blick auf Wetter.com war in der Regel nicht auszuhalten. Und das schlimmste war, dass die entgegen aller Hoffnungen immer recht hatten.  

Aber das hat so viele Erinnerungen geschaffen, über die wir später noch lachen werden. Irgendwann später. Derzeit schmunzeln wir nur. 

Ich hätte mir jedenfalls keine besseren Travel-buddies vorstellen können, mit denen ich lieber für 3 Monate im japanischen Kleinwagen gelebt hätte. Oder die es überlebt hätten. Jan hat akzeptiert, dass er kein Leben mit Vollbart führen wird. Und Atti hat im Gletschersee schwimmen gelernt. Sein Schnuller wurde im Meer versenkt und er kann nun auch sicher im Stehen pinkeln. In Schottland musste ich immer noch die Gummistiefel auskippen. Und Ida hat auf dieser Reise erfahren, wo sie gelandet ist. Ich glaub sie mag uns trotzdem. Oder hat gelernt zu akzeptieren und mit dem zu leben, was man hat.  

Na, wenn es sich dafür nicht gelohnt hat. So viel Zeit werden wir zu Viert so schnell nicht wieder verbringen können. Wir werden es vermissen. Weil das war einfach zu schön. Bald hat uns der Alltag wieder. Keine Entschuldigung mehr, warum das Mittagessen kein Gemüse enthält. Oder die Kinder seit 14 Tagen im selben Outfit rumlaufen. Nicht mal eben drei Meter laufen, um Muscheln für das Abendesssen zu fischen. Keine Orkas, Delfine oder Pinguine vor der Haustür. Keine Strandspaziergänge vor dem Frühstück. Kein Würstchenbraten auf dem eigenen Lagerfeuer. Statt durch die Southern Alps geht es wieder um den Ententeich. Statt Gletschersee wartet die enge Eckdusche. Und kein Aufwachen zu Regengeprassel. Es gibt doch eigentlich nichts schöneres. Bis man dann halt das Zelt verlassen muss.

In diesem Sinne. F&@k yea, we are brave. Wir springen mal eben in den Pool. Merry Xmas für euch alle & wir sehen uns dann braungebrannt am Ententeich! 

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5 Gedanken zu “Laudatio

  1. Mir fehlen die Worte ich
    hab die Worte nicht
    Euch zu sagen was ich fühl’ …

    Großartig, fantastisch, atemberaubend, unglaublich. Aber all das trifft es nicht.
    Ich kann es nur so beschreiben: Ihr seid Helden.
    Und jetzt bin ich langsam so aufgeregt, als würde der Weihnachtsmann gleich persönlich in der Tür stehen. Ich freu mich so auf Euch. Fröhliche Weihnachten.
    Omma in Love

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    1. Wir freuen uns auch. Die Kinder haben schon erwähnt, sie wollen 1 Woche bei Oma schlafen 😉
      Hat Santa bei euch geklopft oder ist er wieder bei Theo versackt?

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  2. Wir können uns Oma Marlies nur anschließen und bedanken uns bei euch dafür, dass ihr uns durch eure Videos und Blogs auch ein Stückchen mit nach NZ genommen habt. Und bei Sandsie der Autorin bedanke ich mich für all die Lacher die du mir bescherrt hast! Es fühlte sich auch von hier wie ein ‚epic trip‘ – ein Hoch auf euch 4!!!!!!

    Gefällt 1 Person

  3. Ja auch wir können uns Oma Marlis nur anschließen. „Großartig, fantastisch, atemberaubend, unglaublich“ -so weit weg und doch so nah dabei durch Eure eindrucksvollen Blder, Eure lustigen Videos, Attis Begeisterung, Idas strahlende Augen, alle 4 immer nah zusammen, Eure gemeinsamen Abenteuer, die Euch keiner mehr nehmen kann.
    Wir wünschen Euch und Euren Gastgebern ein fröhliches Weihnachtsfest und knuffet Ida und Atti von uns.
    Wir warten sehnlichst darauf Euch bald wiederzusehen.
    Oma und Opa

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